Resilienz gezielt stärken: auf Organisations-, Führungs- und Mitarbeiterebene In Zeiten geopolitischer Spannungen und globaler Umbrüche…

Prokrastination: Woher kommt sie und was hilft dagegen?
Prokrastination kennt fast jede:r. Eine wichtige Aufgabe steht an, aber statt anzufangen, erledigen wir erst e-mails, kleine To-dos oder irgendwelche Nebensächlichkeiten. Wir wissen, dass das Aufschieben den Druck meist erhöht, und wir tun es trotzdem.
Gerade im beruflichen Alltag ist Prokrastination weit verbreitet, und zwar auch bei leistungsstarken Menschen. Führungskräfte, Experten und andere stark eingespannte Menschen schieben häufig gerade die Aufgaben auf, die besonders wichtig sind: schwierige Gespräche, strategische Entscheidungen oder Themen, bei denen noch vieles unklar ist.
Prokrastination = mangelnde Disziplin?
Viele Menschen halten Prokrastination für mangelnde Disziplin. Die Wirklichkeit ist aber komplexer: Es steckt oft „innerer Widerstand“ dahinter und der kann viele Ursachen haben: Eine Aufgabe wirkt zu groß, zu unklar, zu unangenehm oder emotional belastend. Unser Gehirn sucht dann kurzfristige Entlastung und weicht auf leichtere Tätigkeiten aus.
Deshalb ist Prokrastination selten ein Zeitproblem, sondern eher ein Spiegel unseres Umgangs mit unangenehmen Gefühlen. Und so spielt statt fehlendem Willen eine größere Rolle, wie wir z.B. mit Überforderung, Unsicherheit, Perfektionismus, Angst vor Fehlern oder Erschöpfung umgehen. Gerade stark leistungsorientierte Menschen blockieren sich oft selbst mit dem Anspruch, direkt etwas SEHR Gutes liefern zu müssen und das erschwert dann den Start.
Was gegen Prokrastination helfen kann
Um Prokrastination erfolgreich zu überwinden, braucht es meist keine härtere Selbstdisziplin, dafür aber gezielte Strategien. Hier meine Top 5 Tipps:
-
Die Aufgabe kleiner machen
Nicht das ganze Projekt in den Blick nehmen, sondern nur den ersten bzw. nächsten sinnvollen Schritt. Der ist leichter zu bearbeiten und Stück um Stück kommt man vorwärts.
-
Den Einstieg konkret(er) definieren
Gerade für den Einstieg lohnt sich eine klare Festlegung, z.B. statt „Konzept erstellen“ besser: „Drei Kernpunkte notieren“. Mit diesem Fokus am Anfang wirkt die ganze Aufgabe gleich machbarer.
-
Perfektionismus reduzieren
Eine erste brauchbare Version, die man dann weiter verbessern kann, bringt mehr als ein perfekter Plan, der nie begonnen wird.
-
Mit Zeitfenstern arbeiten
Kleine Zeitfenster festlegen, das schreckt weniger ab: Zum Beispiel 25 Minuten konzentriert an einer Aufgabe arbeiten und dann kurz pausieren.
-
Die eigentliche Blockade ehrlich benennen
Hilfreich ist die Frage: Was vermeide ich gerade WIRKLICH: Unklarheit, Anstrengung, Unsicherheit oder Erschöpfung? Erst wenn wir uns selbst gegenüber ehrlich zugeben, warum wir etwas aufschieben, lässt sich gezielt gegensteuern.
Ist Prokrastination immer schlimm?
Nein, nicht jedes Aufschieben ist automatisch problematisch. In einem gewissen Maß ist Prokrastination „normal“ und menschlich, sie betrifft die meisten von uns. Manchmal zeigt sie einfach, dass wir uns innerlich gegen etwas sträuben und es sich lohnt, die Gründe genauer zu verstehen. Und sie ist auch typabhängig: Manche Menschen laufen erst bei hohem Druck zu Höchstleistungen auf und wollen das nicht unbedingt durch frühes Anfangen ändern.
Prokrastination kann allerdings auch problematisch werden: wenn wichtige Aufgaben regelmäßig liegen bleiben, Fristen gefährdet sind, der Stress immer mehr zunimmt oder dauerhafte Selbstzweifel entstehen.
Fazit: Prokrastination zuerst verstehen und dann dagegen angehen
Prokrastination ist meist kein Ausdruck von Faulheit, sondern ein Hinweis auf innere Widerstände. Wer Aufgaben aufschiebt, vermeidet oft nicht die Tätigkeit selbst, sondern das unangenehme Gefühl, das damit verbunden ist. Deshalb helfen weniger Selbstvorwürfe als vielmehr ehrliches Nachdenken und Verstehen der Ursachen. Mit der daraus gewonnenen Klarheit kann man dann an der Wurzel ansetzen und die eigentlichen Gründe erfolgreich bekämpfen.
